Die Temperaturen steigen, die Nies-, Hust-, Schnäuz-Raten sinkend gefühlt überall. Wo vor wenigen Wochen noch jeder krank war, stellt sich mit dem warmen Wetter allmählich ein „gesunder Gesundheitszustand“ ein. Die logische Folgerung: Unser Immunsystem hat jetzt bis Winter Pause. Aber: stimmt überhaupt nicht.
Ja, man ist mehr an der frischen Luft, ja man lüftet häufiger und ja man bewegt sich mehr, doch auch diese gesundheitsfördernden Dinge entlasten das Immunsystem nicht gänzlich – und noch schlimmer: es kommen neue Belastungen hinzu. Aber der Reihe nach.
Denn während klassische Atemwegsinfekte tatsächlich seltener werden, hat das Immunsystem im Sommer mit ganz anderen Herausforderungen zu tun – von Allergenen über UV-Stress bis hin zu veränderten Schlaf- und Hydrationsmustern.
Positive Effekte in der warmen Jahreszeit.
Die meisten klassischen Erkältungen werden durch Rhinoviren ausgelöst. Diese Viren verbreiten sich besonders gut unter Bedingungen, die im Winter typisch sind:
- viel Zeit in geschlossenen Räumen
- trockene Heizungsluft
- geringere Luftzirkulation
- enger Kontakt zwischen Menschen
Im Sommer verändert sich dieses Umfeld.
- Wir sind mehr draußen.
- Fenster sind geöffnet.
- UV-Strahlung wirkt zusätzlich virushemmend.
- Das reduziert die Übertragungswahrscheinlichkeit deutlich.
Aber: Das bedeutet nicht, dass Viren komplett verschwinden.
Enteroviren – eine andere Gruppe von Viren – treten beispielsweise im Sommer häufiger auf und können Symptome wie:
- Magen-Darm-Beschwerden
- Fieber
- allgemeine Erschöpfung
Vitamin D & Sommer.
Viele Menschen denken, das mit den ersten Sonnenstrahlen die Einnahme von Vitamin D überflüssig wird. Doch ganz so einfach ist es nicht.
Vitamin D wird zwar in der Haut durch UVB-Strahlung produziert, doch mehrere Faktoren beeinflussen, wie viel tatsächlich gebildet wird:
- Sonnencreme
- Kleidung
- Hauttyp
- Tageszeit
- geografische Lage
- Zeit im Schatten
Studien zeigen deshalb, dass selbst im Sommer ein Teil der Bevölkerung keine optimalen Vitamin-D-Spiegel erreicht.
Gerade Menschen, die:
- viel im Büro arbeiten
- vor allem morgens oder abends draußen sind
- konsequent Sonnenschutz nutzen
können weiterhin niedrigere Werte haben.
Vitamin D spielt jedoch eine wichtige Rolle für das Immunsystem – unter anderem für die Regulation entzündlicher Prozesse und die Aktivität bestimmter Immunzellen.
Allergien – Stress pur für das Immunsystem.
Während Erkältungen im Sommer abnehmen, steigen allergische Reaktionen deutlich an. Und gerade angesichts der Klimaerwärmung, verändern sich die Pollensaisonen fast jährlich. Was früher nacheinander geblüht hat, blüht nun fast gleichzeitig und länger – was auch die Allergiesaison deutlich verlängert.
Allergien entstehen, wenn das Immunsystem eigentlich harmlose Stoffe als Bedrohung einstuft und der Körper reagiert mit:
- Histaminausschüttung
- Schleimhautreaktionen
- Entzündungsprozessen
- Niesen
- tränende Augen
- Müdigkeit
- Konzentrationsproblemen
Viele Betroffene berichten sogar über eine Art „Allergie-Fatigue“ – ein erschöpftes Gefühl trotz ausreichend Schlaf. Und das Immunsystem arbeitet in solchen Phasen auf Hochtouren.
Sommerstress für das Immunsystem.
Neben Allergenen wirken im Sommer weitere Faktoren auf das Immunsystem:
Hitze
Hohe Temperaturen erhöhen die Belastung für Herz-Kreislauf-System und Stoffwechsel.
UV-Strahlung
UV-Licht kann immunmodulierend wirken – sowohl unterstützend als auch belastend.
Flüssigkeitsverlust
Schwitzen bedeutet nicht nur Wasserverlust, sondern auch Elektrolytverlust.
- Elektrolyte spielen eine Rolle bei:
- Zellkommunikation
- Muskelkontraktion
- Nervenfunktion
Auch Immunzellen sind auf stabile Flüssigkeits- und Elektrolytverhältnisse angewiesen.
Was man tun kann? Bewegung!
Eine der besten Unterstützungen für das Immunsystem ist Bewegung.
Regelmäßige körperliche Aktivität kann:
- Entzündungsprozesse regulieren
- die Aktivität von Immunzellen erhöhen
- Stresshormone reduzieren
- Schlafqualität verbessern
Und genau hier bietet der Sommer ideale Voraussetzungen:
- Spaziergänge.
- Laufen.
- Radfahren.
- Outdoor-Workouts.
- Teamsport.
Wichtig ist dabei vor allem eines: Balance. Moderate Bewegung stärkt das Immunsystem. Extrem hohe Belastung ohne ausreichende Regeneration kann es hingegen kurzfristig schwächen.
Faktor Hydration.
Gerade im Sommer spielt Hydration eine größere Rolle, als viele denken.
- Schwitzen bedeutet Verlust von:
- Wasser
- Natrium
- Kalium
- Magnesium
Wenn diese Verluste nicht ausgeglichen werden, kann sich das unter anderem bemerkbar machen durch:
- Müdigkeit
- Konzentrationsprobleme
- schwerere Beine
- verlangsamte Regeneration
Das betrifft nicht nur Sport – sondern auch Alltag und Immunsystem.
Fazit.
Der Sommer ist für viele die aktivste Zeit des Jahres.
Weniger Erkältungen bedeutet jedoch nicht, dass das Immunsystem „Pause“ hat.
Es reagiert auf:
- Allergene
- Hitze
- UV-Strahlung
- Flüssigkeitsverlust
- veränderte Schlaf- und Stressmuster
Ein aktiver Lebensstil mit ausreichend Bewegung, guter Hydration und bewusster Regeneration unterstützt den Körper dabei, diese Belastungen gut zu regulieren.
Und genau so sollte Gesundheit funktionieren:
nicht durch Extreme – sondern durch stabile Routinen.
Literaturliste
Cannell, J. J. et al. — Epidemic influenza and vitamin D — 2006
Martineau, A. R. et al. — Vitamin D supplementation to prevent acute respiratory infections — 2017
Pawankar, R. et al. — Allergic diseases and asthma: a global public health concern — 2013
Walsh, N. P. et al. — Position statement: immune function and exercise — 2011
Gleeson, M. — Immune function in sport and exercise — 2007